Feuertaufe beim 70.3 Ironman Pays d'Aix bestanden

Glücklich und zufrieden, aber immer noch etwas erschöpft bin ich inzwischen wieder daheim angekommen und lasse mein erstes Profi-Rennen Revue passieren. Bei dem Versuch meine Gedanken zum Rennverlauf zu ordnen, nehme ich euch gerne mit!

Schon Mittwochabend ging die Reise nach Aix en Provence für Joel und mich los. Wenn es geht, nehme ich mir gerne zwei oder  drei Tage Zeit, um mir die Gegend gut anzuschauen. Da die 90km lange Radstrecke zudem als anspruchsvoll gilt (1300 Höhenmeter), wollte ich sie mir gut einprägen, um am Sonntag Gas geben zu können, ohne ein Risiko eingehen zu müssen. Donnerstag und Freitag fuhr ich also die Radstrecke ab, besonders die Abfahrten mit einigen engen Kurven und der starke Seitenwind hatten es in sich. So ein Streckencheck gibt mir ein Gefühl von Sicherheit, dass ich weiß, was mich erwartet, wo ich vorsichtig sein muss und wo ich es rollen lassen kann. Auch die Schwimmstrecke habe ich mir angeschaut. Das Wasser war mit 15 Grad zwar frisch, da aber die Sonne tagsüber kräftig schien, wurde es direkt wieder warm. Insgesamt hatten die Tage vor dem Rennen ein bisschen Urlaubsfeeling und ich war recht entspannt…  

… zumindest bis zum Samstag. Bei der Wettkampfbesprechung bin ich zum ersten Mal den anderen Profi-Frauen gegenüber gestanden und war ehrlich gesagt direkt etwas eingeschüchtert. Mit der Vizeweltmeisterin Emma Pallant, Rachel McBride und Tine Deckers waren drei bekannte Namen im Startfeld, dazu noch weitere Britinnen, die ebenfalls Podiumsplätze bei Ironman-Veranstaltungen vorzuweisen hatten. Beim Check-In von Rad- und Laufsachen wurde meine Nervosität noch weiter gesteigert. Wenn man die großen Wechselzonen mit den vielen, schnellen Rädern vor Augen hat, wird einem die Größe der Ironman-Wettbewerbe erst so richtig bewusst. Insgesamt kamen knapp über 2000 Einzelstarter am Sonntag ins Ziel. Nach dem Abendessen habe ich mich kurz gefragt, ob es wirklich eine clevere Idee war eine Profilizenz zu lösen.

Der Rennmorgen begann für Joel und mich sehr früh. Um 4:45 Uhr klingelte der Wecker und ich war direkt wach und ready-to-go. Nach einem kurzen Frühstück, ging es für einen letzten Rad-Check in die Wechselzone und anschließend ans Aufwärmen. Es ist lustig, auch wenn ich sehr nervös am Vortag war, am Rennmorgen selbst war ich entspannt und konzentriert. Ich war fest entschlossen mein Ding zu machen, ohne groß auf die Konkurrenz zu achten. 

Da wir nur 9 Profi-Frauen waren, verlief der Schwimmstart ohne Probleme. Ich sortierte mich direkt hinten ein und versuchte so lange wie möglich den Anschluss nach vorne zu halten. Das ist mir auch recht gut gelungen. In einer Dreiergruppe konnte ich die erste Wechselzone erreichen, der Rückstand nach vorne war zwar schon groß, aber das Gefühl im Feld zu sein und mithalten zu können, war für mich die größte Motivation (Schwimmzeit: 29:10). Außerdem kam jetzt das Radfahren, auf das mich schon gefreut hatte. Mit meinem Trainer Marco hatte ich genau abgesprochen, wie ich das Radfahren angehen sollte. Da die Wettkampfdauer insgesamt für mich noch ungewohnt lange ist, sollte ich defensiv losfahren und mich so lange wie möglich gut fühlen. Nach ungefähr 30 Kilometer sah ich Rachel McBride am Straßenrand stehen. Leider war sie in einer Kurve gestürzt und musste das Rennen frühzeitig beenden. Nach Kilometer 60 kam dann der zweite Schock. Auch die Britin Fenella Langridge musste aus dem Rennen aussteigen und wurde im Krankenwagen nach Aix gebracht. Glücklicherweise ist beiden nichts Schlimmeres passiert. 

Inzwischen lag ich somit auf Position vier, was weit mehr war als ich erwartet hatte. Nach 2:33h (Radzeit) erreichte ich gemeinsam mit der Belgerin Tine Deckers die zweite Wechselzone. 

Die Plätze 1-3 waren zu diesem Zeitpunkt schon 5 Minuten vor uns, sodass es für uns beide um den 4. Platz ging. 

Beim Laufen waren insgesamt 3 Runden quer durch Aix en Provence zu absolvieren. Joel konnte mich so an vielen Stellen sehen und motivieren. Anfangs habe ich mich sehr gut gefühlt und habe Tine direkt etwas abschütteln können. Von Runde zu Runde schwanden aber meine Kräfte. Der Laufkurs war zwar etwas zu kurz, aber sehr hügelig und entsprechend hart. Die letzte halbe Runde hatte ich wirklich zu kämpfen und war erleichtert, kaputt und glücklich als ich als vierte die Ziellinie erreichen konnte. 

Insgesamt war es für mich somit ein gelungener Einstand, der mich stolz macht und auch für die kommenden Trainingswochen motiviert. Denn die Qualifikation für die Weltmeisterschaft in Nizza habe ich um einen Platz verpasst. Aber in Rapperwil in 3 Wochen gibt es bereits die nächste Chance. 

Danke an meine Family&Freunde fürs Daumendrücken und Mitfiebern vor dem LiveTracker, an Marco, der mich körperlich und mental fit an die Startlinie gebracht hat und vor allem an Joel, der den ganzen Triathlonzirkus nicht nur mitmacht, sondern mich sehr unterstützt!