Aarau und Tägi Triathlon

Tägi Triathlon

6. September 2020 – erstes Triathlonrennen in diesem Jahr beim Tägi-Tri in Wettingen. Eine kleine, familiäre Veranstaltung, die aufgrund vieler Rennabsagen voll ausgebucht war und neben vielen bekannten Gesichter der finishers Winterthur auch Nicola Spirig (Triathlon Olympiagold London, Olympiasilber Rio) anlockte. Die letzten Wochen über verlief das Training wirklich gut und ich war optimistisch und gespannt, wie ich die Trainingsleistungen im Wettkampf umsetzen kann. Nach so langer Rennpause habe ich deutlich länger als sonst gebraucht, bis ich meine Tasche gepackt hatte und ich war bis zum Start nervös, ob ich nicht doch irgendetwas vergessen habe. 

Beim Tägi-Tri wurde in mehreren kleineren Startgruppen gestartet. Ich war in der letzten Gruppe mit der Topfavoritin und freute mich darauf, ihr so nah wie möglich zu kommen. 

Gute Laune vor dem Start
Beim Schwimmen verpasste ich leider den Anschluss und zog einsam meine Bahnen.

Für die erste Disziplin mussten 1000m im 50m Freibad zurückgelegt werden. Immer zu zweit durfte man ins Wasser springen, danach die nächsten beiden usw. Auf jeder Bahn starteten 6 bis 7 Athleten, so dass es im Endeffekt 3 oder 4 „Startreihen“ gab. Als ich ein paar Minuten vor dem Start bei meiner Bahn stand, hatten die anderen Starter bereits die Reihenfolge festgelegt und so fand ich mich in der letzten Reihe wieder. Auf meine Nachfrage, wie schnell die Herren vor mir die 1000m schwimmen, bekam ich sehr schnelle Zeiten genannt und so unterließ ich weitere Diskussionen und startete eben von hinten. Nach 70m ärgerte ich mich kurz über mich selbst und auch über den Mann vor mir, der deutlich langsamer schwamm als mir zuvor verkündet. Nachdem ich ihn überholt hatte, fand ich aber einen guten Rhythmus. 

Eine Überrundung durch Nicola Spirig und 15:40min später, kletterte ich aus dem Becken und sprintete in die Wechselzone.

Nach einem verplanten und entsprechend langsamen Wechsel (da merkt man die fehlende Praxis) ging es ab aufs Rad. Ich hab mich gut gefühlt und bin zügig angefahren. Da die Straßen nicht für den Verkehr gesperrt waren, hatte ich zu Beginn ein mulmiges Gefühl. Das war jedoch unbegründet, denn die Streckenposten leisteten super Arbeit und die Autofahrer fuhren rücksichtsvoll.  Nach der ersten Runde konnte ich sehen, dass ich etwas Rückstand auf Nicola gut machen konnte und so ging es motiviert in die zweite Runde. Nach zwei fast exakt gleich schnellen Runden und wieder einem langsamen Wechsel ging es auf die Laufstrecke. 

Vom ersten Schritt an hat ich das Gefühl ich fliege – das Laufen hat sich so gut angefühlt. Gemeinsam mit einem anderen Athleten, zu dem ich immer wieder Sichtkontakt beim Radfahren hatte und zu dem ich am Ende der 37km aufgefahren bin, lief ich die 7,6km lange Laufstrecke bis ins Ziel. Beim Schlussspurt konnte ich mich dann hauchdünn durchsetzen (0.1 Sekunden). Besonders auf der zweiten und letzten Laufrunde war es toll mit jemanden gemeinsam zu laufen, um immer fokussiert zu bleiben und das Tempo zu pushen. Ganz halten konnten wir das Tempo zwar nicht, aber am Ende wurde ich mit der schnellsten Lauf- und auch Radzeit der Frauen belohnt und mit nur 1:06min Rückstand auf Nicola Spirig war ich sehr zufrieden. Besonders meine Laufzeit und vor allem das Laufgefühl hat mich glücklich gemacht, denn das habe ich in den letzten beiden Jahren vermisst.

Einen Tag später hieß es direkt wieder „rein in die Race-Week“, dieses Mal beim Triathlon in Aarau über die Sprint-Distanz. 

Triathlon Aarau

Um 4:30 klingelte unser Wecker und mit Frühstück im Gepäck sind Joel und ich nach Aarau aufgebrochen. Eigentlich ist Aarau nicht weit weg, aber wenn das Check In um kurz nach 7 Uhr schließt, dann muss man trotzdem früh los. Ich war aber direkt wach und plapperte die gesamte Fahrt über fröhlich vor mich hin (Sorry Joel!). In Aarau angekommen fuhren wir noch kurz die Radstrecke mit dem Auto ab, damit ich einen groben Überblick habe. Da die Radstrecke wieder nicht für den Verkehr gesperrt war, wollte ich wissen, wo schwierige und unübersichtliche Stellen sind, um beim Rennen selbst nicht nur Blick für die Radstrecke, sondern auch für die anderen Verkehrsteilnehmer zu haben. Danach ging es die Startunterlagen abholen und in die Wechselzone. Mit der Startnummer 179 startete ich am Ende der zweiten Startgruppe und so hatte ich noch etwas Zeit mich aufzuwärmen und vorzubereiten. 

Die Schwimmstrecke betrug 500m, wieder im 50m Pool, dieses Mal schwamm man aber nicht die volle Strecke auf einer Bahn, sondern im Zick-Zack Kurs von der einen Seite des Pools auf die andere. Alle 10 Sekunden durfte ein Athlet starten, die Zeit wurde immer separat genommen. Wenn man sich die Reihe der Athleten am Start anschaute, sah man recht schnell, dass viele keinen Triathloneinteiler anhatten und vermutlich einen ihrer ersten Triathlon-Wettkämpfe bestritten. Es ist toll, dass sich so viele sich für den Triathlon Sport interessieren, sich einfach anmelden und mitmachen, egal ob mit einem geliehenen Rennrad, dem Stadtfahrrad oder sogar einem Klapprad. Für mich bedeutete das beim Schwimmen viele Überholmanöver, was mir aber 1. das Gefühl gab unfassbar schnell zu schwimmen und 2. vom Veranstalter mit einer doppelten Bahnbreite super organisiert war. 

Zufriedener als in der Vorwoche stieg ich aus dem Wasser und dann: „wie komme ich jetzt in die Wechselezone?“. Irgendwie bin ich so aus dem Becken geklettert dass ich links ein paar Zuschauer gesehen habe, vor mir Büsche und rechts Absperrband. Nach ein paar Sekunden der Verwirrung habe ich meinen Fehler erkannt und bin über das Absperrband in den Weg zur Wechselzone geklettert. 

Trotz Taktikbesprechung mit Fabian Dutli, dem Sieger der Männer, den Ausstieg vermasselt.
Startsprung in das zweite Triathlonrennen dieses Jahr.

Auf der 20km langen Radstrecke konnte ich meine Jagd fortsetzen und viele Athleten einsammeln – das macht natürlich richtig viel Spaß und motiviert einen ein paar Watt mehr zu drücken. Leider wurde ich zwei Mal von einem Auto (zwei Mal dasselbe) blockiert und verlor Zeit. Es hat mich in diesem Moment wirklich sehr verärgert, dass man mich absichtlich behindert und ich hatte Mühe mich danach wieder zu konzentrieren. Insgesamt bin ich nicht ganz zufrieden mit dem Radfahren, gerne wäre ich etwas schneller gewesen und nächstes Mal möchte ich einen etwas kühleren Kopf bewahren, auch wenn die Situation ärgerlich ist. Denn im Rennen selbst lenkt einen das nur ab. Vom Rad runter, in die Laufschuhe und ab auf die 5,5km lange Laufstrecke, bei der mir direkt das nächste Missgeschick passiert ist: ich bin anfangs falsch abgebogen, merkte meinen Fehler aber schnell und verlor deshalb nur ein paar Sekunden. Der Lauf an sich war gut. Ich war nicht ganz so fokussiert wie beim Tägi-Tri, aber konnte ein hohes Tempo anschlagen und konstant laufen. 

Insgesamt war es ein etwas chaotisches Rennen, teilweise aufgrund meiner Fehler, teilweise aufgrund des Verkehrs. Gelernt habe ich in Aarau jede Menge und freue mich nun das im nächsten Rennen besser zu machen. Da ich mit meiner Saison noch nicht fertig bin, durfte ich im Anschluss noch eine lange Radausfahrt machen. Allerdings erst nach einem wohlverdienten und leckeren Pfannkuchen-Frühstück. Einen Triathlon vor 10 Uhr zu beenden, hat auch seine Vorzüge. 

Alle Bilder (bis auf das erste) hat übrigens Joel gemacht!