Rückblick auf das Jahr 2020

2020 war alles andere als das, was wir erwartet und geplant hatten. Aber rückblickend bleiben mir die letzten 12 Monate keineswegs als „schlecht“ in Erinnerung. Im Gegenteil es gab viele schöne Momente und selbst die schwierigen Phasen betrachte ich heute als wichtige und lehrreiche Lektionen, die sich schlussendlich doch wieder als zielführend entpuppt haben. 

Januar

Ab ins neue Jahr mit aufregenden Plänen und großen Zielen. Die ersten vier Wochen verliefen recht unspektakulär: ein paar gute Trainingseinheiten, eine Leistungsdiagnostik, um vorbereitet fürs Trainingslager in Februar zu sein. 

Februar

Zwei wirklich schöne Wochen im Playitas auf Fuerteventura, mit Jana Uderstadt, Laura Zimmermann und vielen netten Gästen von Hannes Hawaii Tours. Das Training lief sehr gut und wir alle freuten uns auf die kommenden Rennen. Im Playitas ist übrigens auch ein Youtube Video von Frank Wechsel und mir mit Lauf-ABC-Übungen entstanden. 

März

Der März hat für mich auf Mallorca begonnen – mein erstes Mal auf der Insel. An den ersten drei Tagen fanden die Hoka Team Tage statt. Es war toll, Einblicke in die Firma und ihre Philosophie zu bekommen, sowie Produktneuheiten kennenzulernen. Fotoshootings und gemeinsame Trainingseinheiten komplementierten das Wochenende. Im Anschluss daran blieben einige Hoka-Athleten für ein Trainingslager auf Mallorca: Beim Abendessen kam zwar schon ab und zu das Thema „Corona“ auf, aber als richtige Krise sah es noch keiner kommen. 

Zurück zuhause und dann die schlagartige Gewissheit: es wird nicht so weiter gehen, wie wir uns das vorgestellt haben. Für mich, wie für viele von euch auch, keine einfache Phase. 

April

Der April zeigte sich wettertechnisch von seiner besten Seite. Selten hatten wir so viele Sonnenstunden. Trotz allem tat ich mir ungemein schwer (langfristige) Motivation fürs Training zu finden. Wenn ich durch mein Trainingpeaks durchscrolle, erkenne ich zwar, dass ich trotz allem gut trainiert hab und ich sogar die ein oder andere Bestleistung auf dem Rad aufgestellt habe, aber ich erinnere mich auch, dass ich vor den meisten Einheiten hart mit mir kämpfen musste, um überhaupt anzufangen. Es war ein ständiges Auf und Ab, das keine gute Grundlage für eine langfristige Entwicklung bot. Das schönste im April war die viele gemeinsame Zeit mit Joel, der im April (zwangsläufig) auch viel trainiert hat. 

Mai 

Im Mai habe ich für mich festgestellt, dass es so nicht weitergehen kann und ich etwas verändern muss. Ich habe mir viele Dinge durch den Kopf gehen lassen, vieles hinterfragt und unterschiedliche Lösungen analysiert. Das Akzeptieren der Situation, sich damit abzufinden und sich anzupassen hat, wie ihr seht, bei mir etwas länger gedauert. Aber im Nachhinein bereue ich es keineswegs, dass ich mir damals die Zeit genommen habe, denn mein Grübeln hat auch klare Antworten hervorgebracht. Antworten, an denen ich seither nicht gezweifelt habe. Es ist immer wieder erstaunlich zu sehen, wie sehr die eigene Einstellung alles verändert: ich war wie ausgewechselt, voller Energie und Tatendrang und habe begonnen Pläne zu schmieden, wenn auch nicht konkret für 2020. Dieses „Aufwachen“ hatte auch zur Folge, dass ich eine schwierige Entscheidung getroffen habe: nämlich, mich von meinem Trainer Marco Müller zu trennen und mit Reto Brändli als neuem Coach zusammenzuarbeiten. Auch wenn es mir nicht leicht fiel, so bin ich rückblickend froh, mich für einen neuen Weg entschieden zu haben.  

Vor dem „Neustart“ habe ich noch eine Woche Off-Season gemacht, war viel in den Bergen und konnte so mit vollen Energietanks ins Training starten. 

Juni

Die ersten Trainingswochen mit neuem Trainer waren aufregend, so viele Dinge, die ich ausprobieren und lernen durfte und überhaupt keinen Druck. Mit einer Leistungsdiagnostik bei Training & Diagnostics hatte ich eine Status Quo, den ich in den nächsten Monaten verbessern wollte. Ich habe konsequent nach Plan trainiert und konnte ein paar Wochen später die ersten Entwicklungen erkennen – yessss! Retos klare Struktur und sein roter Faden im Training, hat mir auch ohne Wettkämpfe gezeigt, dass ich mich auf einem gutem Weg befinde. 

Im Juni habe ich außerdem begonnen fürs TriMag zu bloggen und habe an der Endurance Conference teilgenommen. 

Juli 

Der Juli begann mit einem kleinen Ausflug ins Krankenhaus. Als Folge auf einen Insektenstich beim Laufen hatte ich einen allergischen Schock und landete die nächsten 24 Stunden in der Notaufnahme. Zum Glück war ich danach aber schnell wieder fit und konnte wie gewohnt weitertrainieren. Eine Woche später hatte ich erneut Pech: mein Rennrad wurde geklaut (inzwischen wurden die Diebe von der Polizei geschnappt und ich habe mein Rad wieder!). Der Juli hatte aber auch gute Seiten: Ich durfte der Trainingsgruppe am NLZW (= Nationales Leistungszentrum Wallisellen) für ihre Schwimmtrainings beitreten. Ich bin sehr froh, in der Gruppe um Gordon Crawford (Nationalcoach Swiss Triathlon) trainieren zu können. Von den vielen schnellen Kurzdistanzlern kann ich noch jede Menge lernen. In Zukunft (also: sobald es Corona wieder zulässt) werde ich auch bei Rad- und Lauftrainings teilnehmen, da kann ich dann vielleicht einen kleinen Teil zurückgeben.

August

Wettkämpfe – 3 Veranstaltungen haben sich mehr oder weniger kurzfristig ergeben: ein virtuelles Ironman Rennen, die Tortour (ein 390km langes Radrennen) und die Challenge Davos. Das virtuelle Ironman Rennen war eine schöne Überraschung und auch wenn ich Platz 1 knapp verpasst habe, so hat dieses Format mir einen kleinen Selbstbewusstseins-Booster beschert (30sek hinter Katrina Matthews). Die Tortour musste leider aufgrund eines tragischen Unfalls abgebrochen werden, die Challenge Davos wegen schlechten Wetters ebenfalls. Da in Davos fast alle hep Sports Teammitglieder starten wollten, haben wir dort noch ein Teamwochenende abgehalten. Sich nach so langer Zeit wieder zu sehen und sich auszutauschen, wie die anderen die letzten Monate erlebt haben, tat gut. Außerdem gab der Extrembergsteiger und auch hep Sports Teamkollege Jost Kobusch spannende Einblicke in seine Expeditionen. 

September

Direkt nach dem Rennabbruch von Davos meldete ich mich bei drei weiteren Rennen an: Tägi-Tri, Aarau Triathlon und das Pushing Limits Race in Ratingen. Über alle drei Rennen habe ich separat hier schon berichtet, deshalb halte ich mich hier kurz: es lief super! 🙂  

Leider wurden auch alle größeren Herbsttriathlons abgesagt, so dass ich mich Ende September mit einer neuen PB über 10km im Gepäck in die Saisonpause verabschiedete.

Oktober

Off-Season – viel Zeit Dinge zu erledigen, die lange liegen geblieben sind, mit Joels MTB Runden durch den Wald zu drehen und vor allem mich auf unsere Hochzeit zu freuen. Am 30.10.2020 haben Joel und ich standesamtlich in Konstanz geheiratet. Es war ein sehr besonderer und schöner Tag!

November

Zurück in den Trainingsalltag und mit neuem Schwung in die Vorbereitung für 2021. Ich habe schnell wieder in einen guten Rhythmus gefunden und eine Leistungsdiagnostik Ende November bestätigte uns, dass wir im Plan sind.

Dezember

Los ging’s ins erste Trainingslager: Wegen der erschwerten Reisebedingungen nicht in den Süden, sondern ins Engadin. 2 schöne Wochen mit hep Kollegin Imo Simmonds und Fabian Dutli mit jeder Menge Schnee. Neben Schwimmen, Radfahren und Laufen, haben wir auch einige Kilometer auf den Langlaufski zurückgelegt und regelmäßig Krafttrainings eingebaut. Zurück aus dem Engadin, fiel die Entlastungswoche genau in die Weihnachtszeit. Die Zeit mit einem Teil der Familie tat sehr gut. 

Ich hoffe, dass auch ihr einige positive Dinge aus 2020 für euch mitnehmen konntet und wünsche euch für das neue Jahr alles Gute!

Ein besonderes Dankeschön möchte ich an dieser Stelle an Joel und an meine Familie, sowie Partner und Sponsoren aussprechen – Danke für eure Unterstützung!

Anne